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Sicherheit: Bahnfahren versus Fliegen und Autofahren
Für einen sachlichen Vergleich wird international eine etablierte Kenngröße verwendet Todesfälle pro zurückgelegtem Personen-Kilometer.
Wie lassen sich Verkehrsmittel sinnvoll vergleichen?
Für einen sachlichen Vergleich wird international eine etablierte Kenngröße verwendet: Todesfälle pro zurückgelegtem Personen-Kilometer.
Sie beantwortet die Frage, wie viele Menschen statistisch betrachtet sterben, wenn eine Milliarde Personenkilometer mit einem bestimmten Verkehrsmittel zurückgelegt werden.
Um kein verzerrtes Narrativ entstehen zu lassen, habe ich mich dabei auf aktuelle europäische, behördlich erhobene Daten gestützt, unter anderem aus dem Report on Railway Safety and Interoperability in the EU (Stand 2024).
Einordnung aktueller europäischer Zahlen
- Schienenverkehr (EU, gewerblicher Personenverkehr)
Etwa 0,077 Todesfälle pro Milliarde Personenkilometer (10-Jahres-Mittel).
Damit ist die Eisenbahn die sicherste Form des Landverkehrs in Europa. - Luftfahrt (gewerbliche Airlines)
Rund 0,08 Todesfälle pro Milliarde Personenkilometer – also vergleichbar mit der Bahn. - Bus / Reisebus
Etwa 0,24 Todesfälle pro Milliarde Personenkilometer. - Pkw
Rund 2,5 Todesfälle pro Milliarde Personenkilometer im EU-Durchschnitt – etwa 25- bis 30-mal höher als Bahn oder Flugzeug. - Motorrad / Roller
Über 30 Todesfälle pro Milliarde Personenkilometer.
Diese Zahlen zeigen deutlich: Einzelne schwere Ereignisse verändern nicht die langfristige Sicherheitsbilanz der Systeme.
Warum Bahn und Luftfahrt regulatorisch so sicher sind
Sicherheit ist hier kein Zufallsprodukt, sondern Ergebnis klar definierter regulatorischer Zielsysteme:
- In der Eisenbahn definiert die European Union Agency for Railways (ERA) mit den Common Safety Targets (CST) akzeptable Restrisiken pro Zug- oder Personen-Kilometer (FWSI-Indikatoren).
Nationale Aufsichtsbehörden wie das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) überwachen diese Ziele, Betreiber und Infrastrukturunternehmen müssen strukturierte Sicherheitsmanagementsysteme nachweisen. - In der Luftfahrt gelten nochmals extrem niedrige Akzeptanzgrenzen:
Ein katastrophales Versagen darf mit einer Wahrscheinlichkeit von höchstens 10⁻⁹ pro Flugstunde auftreten. Internationale Organisationen wie ICAO und EASA arbeiten seit Jahrzehnten mit quantitativen Risikoanalysen und systematischem Safety Management.
Im Straßenverkehr hingegen dominieren Zielbilder wie Vision Zero, ergänzt durch Kosten-Nutzen-Abwägungen – bei faktisch deutlich höher akzeptierten Risiken pro Personen-Kilometer.
Objektives Risiko und subjektive Wahrnehmung
Die Forschung zur Risikowahrnehmung zeigt konsistent:
- „Selbst kontrollierte“ Risiken (z. B. Autofahren) werden unterschätzt,
- „Fremdkontrollierte“ Risiken (Pilot, Lokführer, Infrastruktur) emotional stärker bewertet,
- Sicherheit ist relevant, tritt in der Verkehrsmittelwahl jedoch oft hinter Zeit, Kosten und Komfort zurück.
Ein zusätzlicher Hebel: digitale Überwachung und prädiktive Systeme
Ein Aspekt gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung: Die systematische Nutzung digitaler Technologien zur frühzeitigen Erkennung von Gefährdungen.
Moderne Sensorik, datenbasierte Auswertung und satellitengestützte Systeme eröffnen heute reale Chancen, Risiken früher, objektiver und flächendeckender zu erkennen als je zuvor:
- Geotechnische Sensoren und Satellitendaten ermöglichen es,
sich anbahnende Erdrutsche, Setzungen oder Hangbewegungen frühzeitig zu detektieren. - Akustische, dynamische und strukturelle Sensorik kann
abweichende Geräusche, Schwingungen oder Bewegungsmuster an Fahrzeugen und Infrastruktur identifizieren. - Datenfusion und KI-gestützte Analyse erlauben es, schwache Signale zu verdichten und potenzielle Gefährdungen zu erkennen, bevor sie sicherheitsrelevant werden.
Wichtig ist dabei:
Diese Systeme ersetzen keine bewährten ingenieurtechnischen Prinzipien, sie ergänzen sie. Richtig eingesetzt, stärken sie insbesondere den Übergang von reaktiver zu prädiktiver Instandhaltung und erhöhen die Resilienz komplexer Verkehrssysteme.
Was bleibt festzuhalten?
Unfallereignisse werden im Bahn- und Luftverkehr nicht relativiert, sondern konsequent als Auslöser für Lernen und Verbesserung genutzt:
- Überprüfung von Infrastruktur, Komponenten und Prozessen,
- Anpassung von Standards und Instandhaltungsregimen,
- Weiterentwicklung von Sicherheitsorganisationen und -zielen.
Fazit:
Die Eisenbahn gehört – gemeinsam mit der Luftfahrt – zu den sichersten Verkehrssystemen unserer Zeit.
Gerade die Kombination aus strenger Regulierung, gelebter Sicherheitskultur und neuen digitalen Möglichkeiten bietet die Chance, Risiken künftig noch früher zu erkennen und weiter zu reduzieren.
Das ist kein Grund für Selbstzufriedenheit – aber ein guter Grund für Zuversicht und verantwortungsbewusste Weiterentwicklung.
Ansprechpartnerin

Dr. Nina Ruppert
Senior Consultant, PR-Managerin